Core Web Vitals klingen nach einem Thema für Entwickler mit drei Bildschirmen. Sie sind zu vier Fünfteln ein zu großes Bild ganz oben auf der Seite. Wer das einmal verstanden hat, spart sich die halbe Panik, die das Thema sonst auslöst.
Google misst mit den Core Web Vitals, wie sich eine Seite für einen echten Besucher anfühlt, während sie lädt und während er sie bedient. Drei Werte, jeder beschreibt einen anderen Moment. Und alle drei sind Randfaktoren fürs Ranking, keine Hauptschalter. Der eigentliche Grund, sie zu verbessern, sitzt woanders: Wer vier Sekunden auf das erste sichtbare Element wartet, ist oft schon weg, bevor es erscheint.
LCP: wann sieht der Besucher das Wichtigste
Largest Contentful Paint misst, wie lange es dauert, bis das größte Element im sichtbaren Bereich geladen ist. Meistens ist das ein Bild, eine Überschrift oder ein Hero-Bereich. Google zieht die Grenze bei 2,5 Sekunden. Darüber wird es eng.
Der häufigste Einzelgrund für ein schlechtes LCP ist banal und deshalb leicht zu beheben: ein unkomprimiertes Bild im oberen Bereich. Ein Hintergrundbild mit 2,4 Megabyte ist keine Seltenheit, und auf einer Mobilverbindung dauert allein das Laden dieser einen Datei länger als die erlaubten 2,5 Sekunden. Die Reihenfolge der Reparatur: das Bild auf eine vernünftige Größe bringen (selten braucht ein Webbild mehr als 200 Kilobyte), ein modernes Format wie WebP verwenden, und dem Browser über das width- und height-Attribut sagen, wie groß es wird.
CLS: springt das Layout beim Laden
Cumulative Layout Shift misst, wie viel sich auf der Seite verschiebt, während sie aufbaut. Du kennst den Effekt: Du willst auf einen Link tippen, im letzten Moment lädt darüber eine Anzeige nach, alles rutscht, und du triffst den falschen Knopf. Google will unter 0,1 sehen.
Die üblichen Verursacher sind Bilder ohne feste Maße, nachgeladene Werbeflächen und Schriftarten, die erst spät kommen und dann die Textmenge verschieben. Der wirksamste Eingriff ist auch hier der langweiligste: Jedem Bild und jedem Einbettungsfeld feste Abmessungen geben, damit der Platz reserviert ist, bevor der Inhalt da ist. Der Browser hält die Lücke frei, nichts springt.
INP: reagiert die Seite, wenn man sie bedient
Interaction to Next Paint ist der jüngste der drei Werte und hat 2024 einen älteren namens First Input Delay ersetzt. Er misst, wie lange die Seite braucht, um auf eine Eingabe sichtbar zu reagieren. Tippst du auf ein Menü, und es klappt erst eine halbe Sekunde später auf, ist das ein schlechter INP. Die Grenze liegt bei 200 Millisekunden.
INP ist der technischste der drei und der, bei dem eine kleine Website am seltensten ein Problem hat. Wenn doch, steckt fast immer zu viel JavaScript dahinter: Skripte von Drittanbietern, ein überladenes Baukasten-Theme, drei verschiedene Tracking-Werkzeuge, die alle beim ersten Klick loslegen. Weniger davon hilft mehr als jede Feinjustierung.
Wo du misst, und warum zwei Zahlen auseinandergehen
Das Werkzeug ist Google PageSpeed Insights. Du gibst deine URL ein und bekommst zwei Blöcke, die dich anfangs verwirren werden.
Der obere Block, „Felddaten", stammt von echten Chrome-Nutzern der letzten 28 Tage. Das ist die Zahl, die für dein Ranking zählt. Der untere Block, „Labordaten", ist ein einzelner Test unter Idealbedingungen. Er ist nützlich zum Ausprobieren, weil er sofort reagiert, wenn du etwas änderst. Aber verlass dich fürs Urteil auf die Felddaten. Eine Seite kann im Labor glänzen und im Feld durchfallen, weil echte Besucher auf langsameren Geräten und Verbindungen unterwegs sind.
Eine neue oder wenig besuchte Seite zeigt oft gar keine Felddaten, weil zu wenige echte Messungen vorliegen. Dann bleibt dir vorerst nur das Labor, und das ist in Ordnung, solange du weißt, dass es die freundlichere Zahl ist.
Die eine Zahl, die du getrost ignorieren kannst
PageSpeed Insights zeigt ganz oben einen großen Kreis mit einem Wert zwischen 0 und 100, meistens in einem beunruhigenden Orange. Dieser Leistungswert ist kein Rankingfaktor. Er ist ein aus den Labordaten zusammengerechneter Schulnoten-Ersatz, der viele Leute in Panik versetzt, obwohl er für Google gar nicht zählt.
Was für dein Ranking zählt, sind allein die drei Felddaten-Werte LCP, CLS und INP, und zwar in der Bewertung „gut", „verbesserungswürdig" oder „schlecht". Eine Seite kann einen Leistungswert von 68 haben und trotzdem bei allen drei Vitals im grünen Bereich liegen. Dann ist alles in Ordnung, egal wie der große Kreis aussieht. Verschwende keinen Nachmittag daran, eine 68 auf eine 95 zu heben, wenn die drei Werte, die zählen, schon stimmen.
Warum du das nicht isoliert betrachten solltest
Ladezeit ist ein Faktor unter mehreren, und selten der, der den größten Sprung bringt. Eine perfekt schnelle Seite, die die falsche Frage beantwortet, rankt trotzdem nicht. Deshalb gehört die Arbeit an den Core Web Vitals nach hinten in der Reihenfolge, nicht nach vorn. Welche Probleme vorher drankommen, steht in SEO-Probleme finden.
Und der Zusammenhang mit dem Verhalten der Besucher ist direkt: Wer abbricht, bevor überhaupt etwas sichtbar ist, wird in Analytics trotzdem als Absprung gezählt. Eine langsame Seite kann eine hohe Absprungrate erzeugen, die wie ein Inhaltsproblem aussieht und in Wahrheit ein Ladeproblem ist. Wie du das eine vom anderen trennst, steht in Absprungrate senken.
Womit du anfängst
Gib deine wichtigste Seite in PageSpeed Insights ein, schau nur auf die Felddaten und nur auf das Telefon. Ist das LCP über 2,5 Sekunden, öffne die Seite und such das größte Bild im oberen Bereich. In den allermeisten Fällen ist das dein Nachmittagsprojekt, und wenn du es löst, hast du das Thema für diese Seite im Wesentlichen erledigt.