Eine neue Leistungsseite ist seit drei Wochen online und bei Google nicht zu finden. Du öffnest die Search Console, klickst auf Indexierung → Seiten, und da stehen zwei Zahlen: 412 Seiten indexiert, 1.874 nicht indexiert. Darunter eine Tabelle mit vierzehn Gründen, jeder mit einer Zahl, keiner mit einer Erklärung. Der erste Impuls ist Schreck, der zweite ist, alles davon zu reparieren.
Beides führt in die falsche Richtung. Dieser Text sortiert die Meldungen in drei Klassen (harmlos, Qualitätsurteil, echter Defekt), sagt bei jeder, was zu tun ist, und endet mit der Reihenfolge, in der du sie abarbeitest.
Wo der Indexierungsbericht steht und wie du ihn liest
Der Bericht heißt „Seitenindexierung" und liegt links unter Indexierung → Seiten. Klickst du einen Grund an, bekommst du Beispiel-URLs: eine Stichprobe von rund tausend Zeilen, nie die ganze Liste.
Drei Dinge, bevor du eine Zahl deutest.
Der Bericht ist zeitversetzt. Er fasst vergangene Crawls zusammen. Was du heute reparierst, bewegt die Kurve nicht heute. Wie Google eine einzelne URL gerade sieht, sagt nur die URL-Prüfung oben.
„Nicht indexiert" ist keine Strafe. Die Kategorie heißt schlicht: diese URLs stehen nicht im Index. Bei jeder gesunden Website ist ein erheblicher Teil absichtlich draußen, bei manchen mehr als drin.
Eine Sitemap ist keine Indexierungsgarantie. Google behandelt Sitemaps als Hinweis zur Entdeckung, nicht als Anweisung. Eingereicht heißt nur: Google kennt die URL. Für Abruf und Aufnahme gibt es weder Garantie noch Frist.
So sortieren sich die Meldungen:
| Meldung im Bericht | Klasse | Richtige Handlung |
|---|---|---|
Alternative Seite mit richtigem kanonischen Tag | harmlos | nichts |
Seite mit Weiterleitung | harmlos | nichts |
URL als „noindex" markiert | harmlos, wenn Absicht | einmal durchsehen |
Duplikat - vom Nutzer nicht als kanonisch festgelegt | Qualitätsurteil | Canonical setzen |
Duplikat - Google hat eine andere Seite als der Nutzer als kanonische Seite bestimmt | Qualitätsurteil | Signale prüfen |
Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert | Qualitätsurteil | Inhalt, interne Links |
Gefunden - zurzeit nicht indexiert | Kapazität | Seitenzahl, Struktur |
Serverfehler (5xx) | Defekt | Logs und Hoster |
Nicht gefunden (404) | Defekt oder harmlos | Herkunft des Links |
Soft 404 | Defekt | Inhalt oder Statuscode |
URL wird von der robots.txt-Datei blockiert | Defekt oder Absicht | robots.txt lesen |
Wegen nicht autorisierter Anforderung (401) blockiert | Defekt | Zugriffsschutz |
Wegen Zugriffsverbot (403) blockiert | Defekt | Firewall und CDN |
Indexiert, obwohl durch robots.txt-Datei blockiert | Warnung | noindex statt Sperre |
Die Meldung URL als „noindex" markiert heißt in manchen Ansichten „Durch das Tag „noindex" ausgeschlossen".
Die harmlose Klasse: Meldungen, bei denen Nichtstun richtig ist
Alternative Seite mit richtigem kanonischen Tag heißt übersetzt: wir haben deinen Canonical gefunden und respektieren ihn. Ein Lob, formuliert wie eine Fehlermeldung. Ein Modeshop, dessen 1.200 Artikel je vier Größenvarianten als eigene URL haben, hat hier 3.600 Zeilen stehen. Ob deine Auszeichnung stimmt, prüfst du nicht hier, sondern bei den Canonical-Tags.
Seite mit Weiterleitung sammelt jede URL, die per 301 auf eine andere zeigt. Nach einem Relaunch sind das schnell Tausende, und jede beweist, dass die Weiterleitung greift.
Bei URL als „noindex" markiert musst du genau einmal hinsehen. Warenkorb, Danke-Seiten, interne Suchergebnisse, Tag-Archive, Druckansichten: das gehört nicht in den Index. Gefährlich wird es nur, wenn eine Seite dabei ist, die ranken soll, meist wegen eines Hakens im CMS, den jemand vor einem halben Jahr gesetzt hat.
Der entscheidende Punkt: Diese Zahlen wachsen mit der Website, und sie sollen wachsen. 20.000 nicht indexierte URLs neben 900 indexierten sind bei einem Shop mit Filtern normal, bei einer Firmenwebsite mit 30 Seiten ein Alarm. Die absolute Zahl sagt fast nichts, die Steigung sagt alles: welcher Grund wächst diesen Monat.
„Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert": das stille Qualitätsurteil
Die wichtigste Meldung im Bericht und die am häufigsten falsch behandelte. Sie bedeutet: Google war da, hat die Seite gelesen und sich entschieden, sie nicht aufzunehmen. Kein Serverfehler, kein Tag, keine Sperre. Deswegen führen die üblichen Ratgeber in die Irre, wenn sie dich in die robots.txt und in die Meta-Tags schicken: dort ist nichts. Das ist kein Defekt, sondern ein Urteil: diese Seite trägt nichts bei, was nicht schon anderswo steht.
Ein Elektrobetrieb im Ruhrgebiet lässt sich 34 Standortseiten bauen: „Elektriker in Lünen", „Elektriker in Waltrop". Gleicher Text, ausgetauschter Ortsname, ein umformulierter Satz zur Anfahrt. Drei Seiten sind indexiert, die für die drei größten Orte. 31 stehen unter Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert. Google hat nicht gestreikt, sondern gerechnet: Wer Seite 4 bis 34 liest, erfährt nichts, was nach Seite 3 nicht schon klar war.
Der Test dazu ist unangenehm ehrlich: Streich alles, was so auch auf einer anderen deiner Seiten steht. Bei den Standortseiten bleibt ein Ortsname übrig.
Deshalb hilft nie „nochmal einreichen", sondern eines von drei Dingen. Zusammenlegen statt vermehren: aus 34 dünnen Standortseiten wird eine Seite „Einsatzgebiet" mit Ortsliste, Anfahrtszeiten und drei echten Projekten. Eigenbeitrag ergänzen: ein Referenzprojekt in genau diesem Ort, mit Baujahr, Aufgabe und Preisrahmen. Oder intern verlinken.
Der zweite häufige Fall: Die Seite ist in Ordnung, aber kein Link zeigt auf sie. Google hat sie nur über die Sitemap gefunden, und die Sitemap ist kein Relevanzsignal. Eine Seite, die weder im Menü steht noch in einem Text erwähnt wird, sieht für Google aus wie eine, die der Betreiber selbst nicht für wichtig hält. Wie du Bestandsseiten aus diesem Zustand holst, steht in Inhalte aktualisieren.
„Gefunden - zurzeit nicht indexiert": Google kommt nicht hinterher
Diese Meldung sieht der vorigen zum Verwechseln ähnlich und bedeutet etwas anderes. Google kennt die URL, aus der Sitemap oder von einem Link, hat sie aber noch nie abgerufen. Es liegt kein Urteil über den Inhalt vor, weil der Inhalt ungelesen ist: ein Mengenproblem.
Google holt von jeder Website nur eine begrenzte Zahl URLs pro Tag. Wie groß die ist, dokumentiert Google nicht, und bei kleinen Websites ist sie fast nie das Problem. Sie wird eins, wenn eine Website sich selbst überschwemmt. Ein Onlineshop mit 1.200 echten Produkten, aber Filtern für Farbe, Größe, Marke und Preis, deren Kombinationen je eine eigene indexierbare URL erzeugen, meldet 41.000 URLs in der Sitemap an. 38.000 davon stehen unter Gefunden - zurzeit nicht indexiert. Der Shop hat Google nicht zu wenig gegeben, sondern zu viel.
Zweite Ursache: der Server. Antwortet er langsam, drosselt Google die Abrufrate von selbst. Dritte: die Klicktiefe. Was erst nach sechs Klicks erreichbar ist, steht weit hinten in der Reihe. Also: Filterkombinationen per Canonical zusammenführen, Sitemap auf die Seiten kürzen, die ranken sollen, Kategorien so bauen, dass jedes Produkt in drei Klicks erreichbar ist.
Auf einen Satz gebracht: Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert heißt gelesen und verworfen, Gefunden - zurzeit nicht indexiert heißt noch nicht gelesen. Das erste reparierst du am Inhalt, das zweite an der Struktur.
Die Defektklasse: Serverfehler, 404, Soft 404 und Sperren
Hier steht, was tatsächlich kaputt ist. Diese Meldungen zuerst, weil Reparieren hier sofort wirkt.
Serverfehler (5xx): Dein Server hat Googlebot einen Fehler geliefert. Schau in die Logs an dem Tag, den die URL-Prüfung als letzten Crawl nennt. Meist sind es Zeitüberschreitungen unter Last oder Ratenbegrenzungen, die Googlebot für einen Angreifer halten.
Nicht gefunden (404): nicht per se ein Problem. Die einzige sinnvolle Frage ist, woher der Link kommt. Interner Link: reparier ihn. Externer Link auf eine früher existierende Seite: leite auf den Nachfolger um. Sonst lass den 404 stehen, er ist die korrekte Antwort. Was du nie tun solltest: pauschal alles auf die Startseite umleiten, das produziert reihenweise Soft 404.
Soft 404: Die URL antwortet mit Statuscode 200, sieht für Google aber aus wie eine Fehlerseite. Typisch sind leere Kategorien, Suchergebnisse ohne Treffer und per JavaScript nachgeladene Inhalte, die bei Googlebot nicht ankommen. Entscheide dich: echter Inhalt oder ehrlicher 404.
URL wird von der robots.txt-Datei blockiert: der eine Eintrag, der eine komplette Website unsichtbar machen kann. Der Klassiker ist ein Disallow: / aus der Testumgebung, das beim Livegang mitgewandert ist.
Wegen Zugriffsverbot (403) blockiert und Wegen nicht autorisierter Anforderung (401) blockiert: Passwortschutz oder Zugriffsverweigerung. Bei 403 steckt oft eine Firewall- oder CDN-Regel dahinter, die Googlebot aussperrt. Test: URL-Prüfung öffnen, Live-Test starten, Statuscode ansehen.
Und dann die Kombination, an der sich Leute die Zähne ausbeißen: eine Seite mit noindex auszeichnen und dieselbe URL in der robots.txt sperren. Google darf sie dann nicht abrufen, kann das noindex nicht lesen und behält die URL unter Umständen im Index, gespeist aus Links und Ankertexten. Genau das meldet die Warnung Indexiert, obwohl durch robots.txt-Datei blockiert. Entweder Sperre oder noindex, niemals beides. Welche Technik wofür passt, steht in robots.txt und noindex.
Warum „Indexierung beantragen" fast nie hilft
In der URL-Prüfung gibt es den Knopf „Indexierung beantragen", die verbreitetste Zeitverschwendung im Umgang mit diesem Bericht. Das Tageskontingent liegt bei einer Handvoll bis wenigen Dutzend URLs pro Property; Google nennt keine exakte Zahl und will das Limit wegen des Missbrauchs nicht anheben.
Der Knopf macht genau eine Sache: Er stellt die URL in die Warteschlange fürs Crawlen. Über die Indexierung sagt er nichts. Bei einem gerade behobenen Defekt ist er goldrichtig und wirkt oft in Stunden. Bei Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert ist er nutzlos, denn Google hat die Seite schon gelesen: Es holt sie erneut, findet denselben Text und trifft dieselbe Entscheidung.
Drei Dinge wirken stattdessen. Ein Link von einer starken, selbst gut indexierten Seite, im Fließtext, nicht in einer Fußzeilenliste. Seiten zusammenlegen, damit aus fünf halben Antworten eine ganze wird. Und ein echter Eigenbeitrag: Zahlen, Beispiele, Erfahrungen, die nicht auf 30 anderen Websites stehen. Alle drei ändern etwas an der Sache. Der Knopf ändert nur die Warteschlange.
Wie lange dauert es, bis Google eine Seite indexiert?
Google nennt für keinen dieser Vorgänge eine verbindliche Frist, und jede Ratgeberzahl, die „24 bis 48 Stunden" verspricht, ist geraten. Beobachten lassen sich zwei Größenordnungen.
In Tagen: Eine neue Seite auf einer Website, die Google regelmäßig besucht und die sie intern verlinkt, ist oft in Stunden bis wenigen Tagen im Index. Ein behobener Serverfehler verschwindet beim nächsten Abruf; die Kurve im Bericht folgt einige Tage später.
In Wochen: Der Wechsel von Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert in den Index nach einer Überarbeitung dauert typischerweise Wochen, weil Google die Seite erst wieder abrufen und neu bewerten muss. Eine neue Domain braucht für ihre ersten Seiten ebenfalls Wochen. Für die Validierung nach einer Fehlerbehebung kalkuliert Google selbst mit etwa zwei Wochen.
Warten ist richtig, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Die Seite ist jünger als zwei Wochen, die URL-Prüfung meldet keine Beanstandung, und mindestens eine indexierte Seite verlinkt sie. Fällt dagegen eine Seite aus dem Index, die wochenlang drin war und Klicks brachte, ist das kein Indexierungsthema, sondern ein Fall für die Diagnose eines Rankingverlusts.
Womit du anfängst
- Öffne
Indexierung → Seiten, Zeitraum drei Monate, und schau auf die Steigungen statt auf die absoluten Zahlen. Ein Grund, der in vier Wochen von 200 auf 3.000 gewachsen ist, ist dein Thema. Einer, der seit einem Jahr bei 8.000 liegt, nicht. - Arbeite die Defektklasse ab: robots.txt-Sperre, dann 401 und 403, dann
Serverfehler (5xx), dannSoft 404. - Prüf die Liste zu
URL als „noindex" markiertauf Seiten, die ranken sollen. Ist keine dabei, hak die harmlose Klasse ab und sieh sie nie wieder an. - Exportiere die Beispiel-URLs zu
Gecrawlt - zurzeit nicht indexiertund such das Muster. Meist sind es alle Seiten eines Typs: Standortseiten, Autorenarchive, Produktvarianten. Behandle das Muster, nicht die URL. - Vergleich bei
Gefunden - zurzeit nicht indexiertdie Zahl der Sitemap-URLs mit der Zahl der Seiten, die wirklich ranken sollen. Ist der erste Wert ein Vielfaches, liegt die Arbeit dort. - Erst jetzt, und nur für geänderte Seiten, beantrag die Indexierung.
Liegen die Ursachen weiter zurück als der Bericht zeigt, folgt eine Runde durch die üblichen Verdächtigen, wie in SEO-Probleme finden beschrieben.
Häufige Fragen
Warum ist meine Seite nicht bei Google zu finden?
Prüf zuerst, ob sie im Index ist: URL oben in die URL-Prüfung eingeben. Steht dort „URL ist nicht auf Google", nennt dasselbe Fenster den Grund. Ist die Seite indexiert und trotzdem nicht zu finden, ist es kein Indexierungs-, sondern ein Rankingproblem.
Wie lange dauert es, bis Google eine neue Seite indexiert?
Google nennt keine Frist. Auf einer Website, die regelmäßig gecrawlt wird und die neue Seite intern verlinkt, sind es meist Stunden bis wenige Tage, auf einer neuen Domain eher Wochen. Länger als zwei Wochen ohne Bewegung heißt, dass etwas im Weg steht, meist die fehlende interne Verlinkung.
Was bedeutet „Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert"?
Google hat die Seite abgerufen und gelesen, sie aber nicht in den Index aufgenommen. Technisch ist alles in Ordnung, das ist gerade der Punkt. Meist ist es ein stilles Qualitätsurteil: Die Seite bietet nichts, was nicht schon anderswo steht. Seltener ist sie gut, aber von nirgends verlinkt.
Was ist der Unterschied zwischen crawlen und indexieren?
Crawlen heißt abrufen, indexieren heißt aufnehmen. Google lädt eine Seite erst herunter und liest sie, und entscheidet danach über die Aufnahme in den Suchindex. Deshalb zwei getrennte Meldungen: „Gefunden" heißt noch nicht gecrawlt, „Gecrawlt" heißt gelesen, aber nicht aufgenommen.
Warum ist meine Seite plötzlich nicht mehr im Index?
Die häufigsten Gründe: ein neu gesetztes noindex, oft unbeabsichtigt durch ein Plugin, ein Canonical auf eine andere Seite, eine versehentliche Weiterleitung, oder Serverfehler beim letzten Crawl. Die URL-Prüfung nennt den aktuellen Grund direkt. Ohne einen dieser technischen Gründe ist es meist eine Neubewertung des Inhalts.
Hilft es, in der Search Console die Indexierung zu beantragen?
Bei einem gerade behobenen Defekt ja, dann kommt die Reparatur schneller bei Google an. Bei „Gecrawlt - zurzeit nicht indexiert" nein, denn Google hat die Seite schon gelesen und kommt beim erneuten Abruf zum gleichen Ergebnis. Verbrauch das knappe Tageskontingent nicht an unveränderten Seiten.
Muss jede Seite meiner Website indexiert sein?
Nein, und es ist meist ein Zeichen von Sorgfalt, wenn nicht. Warenkorb, Danke-Seiten, interne Suchergebnisse, Filterkombinationen, Login-Bereiche: nichts davon gehört in den Index. Eine hohe Zahl unter „nicht indexiert" ist bei einem Shop normal. Interessant ist nur, ob eine URL darunter steckt, die Kunden bringen sollte.
Warum indexiert Google die URLs aus meiner Sitemap nicht?
Weil eine Sitemap ein Hinweis zur Entdeckung ist und keine Anweisung. Google erfährt daraus nur, dass eine URL existiert. Stehen viele Sitemap-URLs unter „Gefunden - zurzeit nicht indexiert", ist die Sitemap zu groß für die Substanz der Website. Kürz sie, statt sie erneut einzureichen.