SEO im August und September 2026: Google spaltet die Suche
In der EU gelten jetzt andere Ergebnisseiten und andere Spam-Regeln, der AI Mode schluckt die Ergebnisseite, und ein Spam-Update läuft noch. Der Überblick mit Checkliste und allen Quellen.
Zwei Monate, zwei große Linien. Erstens sieht die Google-Suche in der EU inzwischen anders aus als im Rest der Welt, mit anderen Ergebnisseiten und anderen Spam-Regeln. Zweitens wird die Ergebnisseite Schritt für Schritt zur Antwortseite. Dazu kamen zwei Spam-Updates, von denen eins noch läuft, und ein paar technische Änderungen, die du auf deiner Website prüfen solltest.
Im EWR sieht Google jetzt anders aus
Hintergrund ist der Digital Markets Act. Im Juli hat die EU-Kommission gegen Google eine Strafe von 890 Millionen Euro verhängt, 460 Millionen davon wegen Selbstbevorzugung in der Suche. Seitdem baut Google die Ergebnisseiten im Europäischen Wirtschaftsraum um.
Seit dem 8. September stehen bei kommerziellen Suchen zu Hotels, Flügen, Fernzügen, Fernbussen und Produkten Aggregatoren oben: Buchungsportale und Preisvergleiche in einem eigenen Block. Direktanbieter wie Hotels und Airlines bekommen einen zweiten Block darunter. Ob lokale Suchen wie Restaurants schon betroffen sind, darüber widersprechen sich die Quellen. Google selbst spricht von der größten Qualitätseinbuße in der Geschichte seiner Suche und beziffert, dass frühere DMA-Änderungen den kostenlosen Direktbuchungs-Traffic um 30 Prozent gesenkt hätten. Diese Zahl stammt allein von Google.
Am 17. und 18. September sind im EWR die kostenlosen Produkteinträge und die Karussells mit beliebten Produkten verschwunden. Tracker messen in Deutschland einen Rückgang um 90 bis 100 Prozent. Für Shops bleiben Shopping-Anzeigen, Preisvergleichsdienste und die klassischen organischen Ergebnisse.
Seit dem 30. August wirken manuelle Maßnahmen wegen Missbrauchs des Website-Rufs (Site Reputation Abuse) für Suchende im EWR nicht mehr. Zum ersten Mal setzt Google eine Spam-Richtlinie je nach Region unterschiedlich durch. Parasite SEO kann in Deutschland und Österreich also wieder ranken, in der Schweiz nicht, weil sie nicht zum EWR gehört. Algorithmisch kann Google betroffene Bereiche weiterhin abwerten. Wer darauf eine Strategie baut, baut auf Sand.
Quellen: Pressemitteilung der EU-Kommission, Search Engine Journal zum neuen Layout, Search Engine Roundtable zu Googles Stellungnahme, Search Engine Roundtable zu den Produkteinträgen, PPC Land, Google Search Central Blog zur Site-Reputation-Richtlinie, Search Engine Journal dazu.
Zwei Spam-Updates in sechs Wochen
Das August Spam Update lief vom 18. bis 21. August. Google nannte es ein normales Spam-Update, die Wirkung war aber deutlich härter. SE Ranking hat 100.000 US-Keywords ausgewertet: 16,7 Prozent der vorherigen Top-10-URLs fielen aus den Top 100, ohne Update liegt dieser Wert bei 9,2 Prozent. Glenn Gabe hat Fallstudien ausgewertet. Getroffen wurden vor allem programmatisch erzeugte Seiten mit KI-Texten, besonders bei Gesundheits- und Finanzthemen, dünne Amazon-Affiliate-Seiten und massenhaft produzierte Inhalte, teils mit der ganzen Website. Passend dazu sagte John Mueller am 8. September, viele Seiten mit wenig Mehrwert kosten Vertrauen in die ganze Website, und die Erholung dauert lange.
Das September Spam Update läuft seit dem 24. September und kann laut Google bis zu zwei Wochen brauchen, also bis etwa zum 8. Oktober. Die Spam-Updates davor waren in ein bis drei Tagen durch. Ein Ziel hat Google nicht genannt. Ein Core Update gab es seit Mai nicht.
Unser Rat: Analysiere Rankingverluste der letzten Tage erst, wenn das Update abgeschlossen ist. Und verwechsle Mitte August nicht mit einem Update: Ab dem 12. und 13. August hatte die Search Console einen Fehler bei der Datenerfassung, Impressionen und Klicks brachen ein. Google hat die Daten bis zum 31. August nachgeliefert. Ein Einbruch in dieser Zeit ist kein echter Sichtbarkeitsverlust. Wie du einen echten Verlust Schritt für Schritt eingrenzt, steht in Ranking verloren.
Quellen: Google Search Status Dashboard, September Spam Update, Search Engine Land, SEO Südwest, Google Search Status Dashboard, August Spam Update, Search Engine Land zur Wirkung, Glenn Gabe, Fallstudien, SEO Südwest zu Mueller, Search Engine Roundtable zum Fehler in der Search Console.
Die Ergebnisseite wird zur Antwortseite
Der AI Mode schluckt nach und nach die klassische Ergebnisseite:
- Seit dem 28. August klappen KI-Übersichten bei manchen Suchen automatisch voll auf, samt Eingabefeld für Folgefragen. Die organischen Ergebnisse rutschen weiter nach unten.
- Seit dem 22. September testet Google Links in KI-Übersichten, die nicht auf eine Website führen, sondern in den AI Mode.
- Der Block "Ähnliche Fragen" (People Also Ask) ist laut AlsoAsked inzwischen zu 97 Prozent KI-generiert, im August waren es noch 86 Prozent.
- Vom 2. bis 4. September zeigte der AI Mode mit dem neuen Modell Gemini 3.8 Flash fast keine Quellenlinks. Google nennt das einen Fehler, er ist behoben. Die Lehre bleibt: Ein Modellwechsel kann Quellenangaben über Nacht auf null setzen.
- In den USA zeigt der AI Mode Shopping-Anzeigen direkt im Antworttext, bucht Hotels und hat einen eigenen Checkout für Shopify-Händler. Bei diesem Checkout funktionieren eigene Pixel und clientseitiges GA-Tracking nicht.
Für Deutschland gibt es jetzt belastbare Zahlen zu den Folgen. Laut SISTRIX zeigen rund 20 Prozent der deutschen Keywords eine KI-Übersicht, und die Klickrate auf Position 1 fällt dann von 27 auf 11 Prozent. Seokratie hat 69 deutschsprachige Websites ausgewertet: Der Gesamt-Traffic blieb stabil, aber der Anteil von Google fiel von 41 auf 22 Prozent. Und ein Feldexperiment mit 1.100 Nutzern zeigt erstmals kausal: Wird der AI Mode als Standard gesetzt, sinken die Klicks auf externe Seiten um 18,8 Prozentpunkte. Die Stichprobe ist allerdings jung und überdurchschnittlich gebildet.
Quellen: Search Engine Roundtable zu aufgeklappten KI-Übersichten, zu Links in den AI Mode, zu People Also Ask, zu Gemini 3.8 Flash, PPC Land zu Anzeigen im AI Mode, Search Engine Land zum Checkout, TechCrunch zu Reisefunktionen, SISTRIX, Seokratie, Feldexperiment auf arXiv, Search Engine Land dazu.
KI-Sichtbarkeit lässt sich messen, aber nur zur Hälfte
Seit dem 31. August hat die Search Console weltweit eigene Berichte für generative KI. Sie zeigen Impressionen aus KI-Übersichten, AI Mode und den KI-Funktionen in Discover, aufgeteilt nach Seite, Land und Gerät. Klicks zeigen sie nicht. Achtung beim normalen Leistungsbericht: Folgefragen aus dem AI Mode wie "yes go on" tauchen dort als eigene Suchanfragen auf. Filtere sie heraus, bevor du Suchanfragen auswertest.
Gleichzeitig gibt es einen echten Opt-out, die Einstellung "Search generative AI control". Laut Google bekommen Websites, die sie nutzen, keine Impressionen und keinen Traffic mehr aus den KI-Funktionen, das normale Ranking soll unberührt bleiben. Das geht weiter als das Blockieren von Google-Extended. Ob sich der Ausstieg lohnt, ist eine strategische Frage: Wer in KI-Übersichten zitiert wird, bekommt dort zwar wenig Klicks, aber Sichtbarkeit. Mehr dazu in KI-Übersichten von Google.
Seit dem 18. August gibt es Anzeigen in ChatGPT auch in Deutschland und Österreich, zusammen mit 29 weiteren europäischen Märkten. Abgerechnet wird nach Einblendungen, Klicks oder mit Conversion-Optimierung, gebucht wird vorerst über Partner und das Sales-Team von OpenAI. Damit ist ChatGPT im deutschsprachigen Raum auch ein bezahlter Kanal.
Wie ChatGPT seine Quellen auswählt, dazu gab es eine kleine Auswertung von rund 60 Unterhaltungen bei Search Engine Journal: Marken, die ChatGPT schon vor der Suche in die Suchanfrage schreibt, landen zu 68,9 Prozent in der Antwort. Marken, die erst über die Suchergebnisse dazukommen, nur zu 2,1 Prozent. Bekanntheit schlägt hier also die Optimierung der einzelnen Seite. Was der ChatGPT-Index von einer Seite liest, haben wir in ChatGPT liest den ganzen Seitentitel zusammengefasst.
Quellen: Search Engine Land zu den KI-Berichten und dem Opt-out, OpenAI zu ChatGPT Ads in Europa, Search Engine Journal zur Quellenauswahl.
Technik: was du auf deiner Website prüfen solltest
Cloudflare und Googlebot. Cloudflare hat angekündigt, Crawlern mit mehreren Zwecken wie Googlebot und Bingbot ab dem 15. September die strengste zutreffende Regel zuzuweisen. Wer dort das Training von KI-Modellen blockt, sperrt damit womöglich auch Googlebot aus. Ob die Umstellung überall live ist, ist nicht bestätigt. Ein Blick in die Einstellungen kostet fünf Minuten. Welche KI-Crawler du blocken kannst und welche besser nicht, steht in KI-Crawler steuern.
Strukturierte Daten. Seit dem 21. August löst Google HTML-Entities in JSON-LD nur noch einmal auf. Doppelt kodierte Zeichen wie & kommen dann falsch an. Das passiert gern in CMS-Vorlagen von Drupal, WordPress oder Shopsystemen. Schau dir den Quelltext einer Seite mit Sonderzeichen im Titel an.
Firewall-Regeln. Google-Crawler senden neben GET auch HEAD-, OPTIONS-, PUT-, PATCH- und DELETE-Anfragen, vor allem beim Rendern. Das sind weniger als 1,5 Prozent der Anfragen, eine Web Application Firewall sollte sie trotzdem nicht blocken.
Neuer Filter in der Search Console. Seit dem 24. September gibt es im Leistungsbericht den Filter "Multimodal" für Suchen über Google Lens, Circle to Search und Bild-Upload. Das sind neue Impressionen. Steigen deine Web-Zahlen ab Ende September plötzlich, kann das der Grund sein.
Rank-Tracking wird teurer. Seit dem 26. August führt Google Links in den Suchergebnissen über kodierte Weiterleitungen via google.com/goto. Laut Google soll das Missbrauch verhindern. Rank-Tracker brauchen dadurch ein Vielfaches an Anfragen pro Suche, das dürfte sich in den Preisen der Tools zeigen. Ob sich der Referrer in GA4 ändert, ist noch offen.
Quellen: Search Engine Journal zu Cloudflare, Search Engine Roundtable zu JSON-LD, zu den HTTP-Methoden, Google Search Central Blog zum Multimodal-Filter, Search Engine Roundtable zu google.com/goto, PPC Land dazu.
Kurz notiert: Recht
Seit dem 2. August gelten die Kennzeichnungspflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung. Deepfakes müssen gekennzeichnet werden. KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse nur dann, wenn es keine redaktionelle Kontrolle gab. Das betrifft vor allem Agenturen, die Inhalte mit KI produzieren. Außerdem sieht das Landgericht München I Google für falsche Aussagen in KI-Übersichten in der Haftung, weil es sich um eigene Inhalte handle. Das Urteil aus dem Juni ist noch nicht rechtskräftig.
Quellen: BDZV zur KI-Verordnung, Tagesspiegel zum Urteil.
Die Checkliste für diese Woche
- Rankingverluste seit dem 24. September erst nach Ende des Spam-Updates bewerten.
- Einbrüche Mitte August mit dem Fehler in der Search Console abgleichen, bevor du etwas änderst.
- Folgefragen aus dem AI Mode aus der Suchanfragen-Auswertung filtern.
- In Cloudflare prüfen, ob eine Regel gegen KI-Training auch Googlebot trifft.
- JSON-LD auf doppelt kodierte Sonderzeichen prüfen.
- Als Shop im EWR mit dem Wegfall der kostenlosen Produkteinträge rechnen und die Kanäle neu verteilen.